Beschreibung
NEUAUFLAGE im August 2026!
Astronomie treiben heißt, die Gedanken Gottes nachlesen.
Johannes Kepler war einer der großen Geister, die mithalfen, die Gesellschaft in die neue Zeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu begleiten. Seine letzte Reise führte ihn im Jahr 1630 nach Regensburg, wo er im heutigen Kepler-Gedächtnishaus seine letzten Tage verbrachte.
1613 trat er im Regensburger Reichstag für die Einführung des gregorianischen Kalenders ein. Zur selben Zeit beobachtete er im Dom durch die Kirchenfenster erstmals bewusst die Sonnenflecken.Diese kleinen Begebenheiten aus der Domstadt sind heute noch gültiges Wissen auf der ganzen Welt.
Das Buch schenkt uns einen behutsamen Einblick in Keplers Charakter und Leben in jener von Kriegswirren bedrängten Zeit.
ISBN: 978-3-934983-80-9
100 Seiten, Hardcover
Eine Rezension der Regensburger Zeitung lesen!
LESEPROBE
aus dem Roman: „Johannes Keplers letzte Reise“
Es ist Spätnachmittag Ende Oktober im Jahr 1630. Auf der Donaubrücke, die von Stadtamhof nach Regensburg führt, herrscht reges und lautes Treiben. Die Marktbauern fahren mit ihren Wagen und Karren vom Samstagsmarkt zurück in ihre Dörfer.
Nachlässig auf die Partisane gestützt stehen die zwei Wachtsoldaten am Brückentor zu beiden Seiten des Menschenstroms und blicken gelangweilt auf das Gewürge, das an ihnen vorüberlärmt. Dann und wann hört man einen frechen Ruf an ein vorübergehendes Bauernmädchen oder junges Bauernweib, der meistens von den gleich im dichten Herbstnebel verschwindenden Gestalten genauso dreist erwiedert wird.
In der Ferne läutet eine tiefe Glocke. Unter der Brücke rauscht der Strom.
…
In dem Moment ertönt aus dem Nebel auf der Brücke der Hufschlag eines Pferdes.
„Jessas Maria! Noch ein Reiter! Kann der sich nicht schicken?“
Die zwei warten und schauen ungeduldig der näherkommenden Gestalt entgegen. Dann tauchen aus der weißen Flut die Umrisse eines Reiters auf. Der Hannes hat ärgerlich wieder nach seiner langen Hellebarde gegriffen, die hochgestiefelten Beine nach Landsknechtsart gespreizt steht er da und reckt seine Waffe quer über den Toreingang hinweg.
Der Reiter hält sein Pferd an. Es ist ein mittelgroßer, hagerer Mann mit hohem breitkrämpigen Filzhut von brauner Farbe. Unter dem Hutrand liegt ein blasses eingefallenes Gesicht, das durch den rechteckig geschnittenen schwarzgrauen Knebelbart länger erscheint, als es ist. Ein feiner weißer Spitzenkragen über dem schwarzen, mit Schnüren verbrämten Rock sagt den Soldaten, daß der Ankömmling wohl etwas Bessseres ist.
Höflich fragt der Hannes: „Hat der Signor einen Paß?“
…
„Hannes,“ sagt der Weibel, „ihr habt grad gut getan, wenn ihr mit dem Signor, der zuletzt noch gekommen ist, sauber umgegangen seid. Der kann mehr als nur Brot essen!“
Erstaunt starrt der Hannes seinen Vorgesetzten an.
„Warum denn?“
„Kennt ihr ihn denn nicht? Ihr seid halt noch grün hinter den Ohren! Das war doch seiner Heiligen Kaiserlichen Majestät Hofmathematiker Johannes Kepler!“
Bei dem Namen Kepler spitzten auch die drei Würfler ihre Ohren. „Der Kepler?“ Sie reißen den Mund auf. „Der Kepler ist heut auf die Nacht hier wieder eingeritten?“
„Ja,“ macht sich der Hannes jetzt wichtig, „ich hab seinen Paß abgenommen.“
„Ja, der Kepler – der kann mehr als Brot essen,“ versicherte abermals gewichtig und mit Nachdruck der Weibel. „Ich war früher oft in Prag und hab dort auf dem Hradschin die Nacht gewacht. Da is der, wenn andere ins Wirtshaus oder ins Bett zu ihrem Weiberl sind, auf den großen, runden Turm hinten gestiegen und hat nach den Sternen ausgeschaut. Oft hab ich ihn erst wieder raus gelassen, als der Hahn schon gekräht hat. Und was der gesagt hat, das hat der Kaiser geglaubt.“
…
Aus dem Nachwort des Verlegers:
Immer liegen einzelne Disziplinen im Widerstreit. Auch dieses Buch erzählt von dem Kräftemessen zwischen dem Gelehrten, dem Theologen und dem Mediziner. Wahrscheinlich müssen noch ein paar Jahre mehr vergehen, ehe sich die jetzigen Kontrahenten miteinander verbünden.
Und wenn jeder seine Talente in den Hilfsfond der Menschlichkeit wirft, und keiner eines dieser Talente mehr ablehnen muss, dann könnte das prophezeite Goldene Zeitalter anbrechen.
…
Anmerkung:
Der Text wurde aus dem Büchlein aus dem Jahr 1934 übernommen. Wir haben uns bemüht, die damalige Rechtschreibung und den Dialekt möglichst original zu übernehmen, weil in dieser Sprache doch auch die Stimmung zur Lebenszeit Keplers mitschwingt. Die ersten Sätze klingen vielleicht noch ungewohnt, aber durch die dezente Überarbeitung ist der Text flüssig zu lesen und der mittelalterliche Anklang hilft mit, ein stimmiges Bild der Lebensumstände von vor über 400 Jahren zu malen.







